FDP Seegräben feiert ihr 50jähriges Bestehen zwischen Kristallen

Klein, aber fein: So kann die 50-Jahr-Jubiläumsfeier umschrieben werden, die die FDP Liberale Seegräben Ende November abgehalten hat.

Wie vor 50 Jahren hat sich die FDP Liberale Seegräben für ihre Feier den Ortsteil Aathal ausgesucht. Während damals die Gründung der Ortspartei im mittlerweile abgerissen «Schwanen» stattfand, wählte sie diesmal für die Jubiläumsfeier das Dino-Beizli. Am 3. Juli 1975 wurde die Freisinnig-Demokratische Partei Aathal-Seegräben gegründet.

Um das halbe Jahrhundert gebührend zu feiern, hatte Ortsparteipräsident Christian Brändli eine besondere Umgebung ausgesucht: «Als kleine Partei schwebte mir ein kleiner, gemütlicher Rahmen vor. Und passend zu diesem strahlenden Jubiläum wollen wir den Abend im ebenfalls kleinen, prächtigen Kristall-Säli verbringen», erklärte er den zwei Dutzend anwesenden Gästen und Mitgliedern.

Die FDP Liberale Seegräben haben ihr 50jähriges Bestehen im Kristall-Säli des Dino-Beizlis gefeiert. Gemeindepräsident Marco Pezzatti (FDP) – hier bei seiner Ansprache - wurde für eine weitere Amtszeit portiert.

Politisches Erwachen

Unter den Gästen war auch Köbi Siber, der die einmalige Kristall-Sammlung zusammengetragen hatte. Er erläuterte den interessierten Zuhörern nicht nur, wie er zu den Hunderten wertvollen farbenprächtigen Steinen in allen Formen gekommen war, sondern vermochte auch die Entstehung dieser Stücke eindrücklich zu schildern. Der älteste Stein, der im Säli zu sehen ist, dürfte fast so alt wie die Erde sein. Und das sind immerhin rund 4,5 Milliarden Jahre.

Doch Köbi Siber war nicht nur wegen seiner Sammlung zugegen, sondern auch in Erinnerung an seine Mutter Margrit Siber. Sie gehörte nicht nur dem Gründungsvorstand an, sondern leitete die Ortspartei auch einige Zeit.

Der Anstoss zur Gründung einer lokalen FDP ging 1974 vom damaligen Gemeindepräsidenten Albert Brüngger aus. Er hielt damals fest: «In der Gemeindepolitik möchten wir der BIG nach wie vor die Priorität einräumen und glauben, dass unsere künftigen Mitglieder weiterhin die Mitgliedschaft der BIG behalten sollten.» Bei der BIG handelte es sich um die Bürgerliche Interessengemeinschaft, die ihrerseits als Gegenkraft zur damals aggressiv auftretenden SP gegründet worden war. Tatsächlich waren ein paar der ersten Mitglieder der FDP auch noch bei der BIG dabei. Später wurde diese zum Sammelbecken der Parteilosen, die sich in den Gemeindebehörden engagierten, mutierte zur Pro Seegräben, die ihrerseits seit einigen Jahren im Dornröschenschlaf liegt.  

Es brauchte einige Vorbereitungssitzungen des designierten Vorstandes und weiterer Mitsitzer, bis dann am 3. Juli 1975 die offizielle Gründungsversammlung über die Bühne ging. Im Anschluss daran referierte FDP-Ständerat Fritz Honegger über «Die Lage der schweizerischen Wirtschaft heute». Damit ist die FDP noch drei Monate älter als die SVP/BGB, die dann im September eine Ortspartei aus der Taufe hob. Auf lokaler Ebene war 1975 also so etwas wie ein Parteienfrühling, hervorgerufen durch die damals in Seegräben so starke SP. Diese ist dann allerdings in den 1990er Jahren auf kommunaler Ebene still und leise eingeschlafen.

Viele Aktivitäten

Die jungen Liberalen schlugen damals einen forschen Ton an – schnell wurde das bisherige Regime mit einer Wählerversammlung in Frage gestellt. Stellungnahmen und Veranstaltungen folgten fast Schlag auf Schlag. Und das wohlgemerkt bei einer noch relativ kleinen Truppe von 16 Mitgliedern. Einige Themen von damals, etwa Parkierungsmöglichkeiten für Touristen oder die hohen Spitalkosten wegen eines Neubaus, haben nichts an Aktualität verloren. Später veranstaltete die Ortspartei jährlich öffentliche Foren für die ganze Bevölkerung. Dabei kamen etwa der Bau einer neuen Turnhalle, die neue Bau- und Zonenordnung, die Überbauung der Grossweid, die Fünftagewoche in der Schule oder der Bau der Oberlandautobahn zur Sprache.

Die FDP, damals auf kantonaler Ebene noch die bürgerliche Leaderin, suchte auf kommunaler Ebene den Kontakt mit der SVP, um die SP gemeinsam einzubremsen, gerade bei der Wahl des Gemeindepräsidiums. Dies funktionierte über die Jahre auch recht gut. FDP und SVP lösten sich bei der Besetzung des Präsidiums in schöner Regelmässigkeit ab. Allerdings boten gerade Wahlen und Abstimmungen immer wieder Anlass für Verstimmungen.

Aus den Protokollen der späten 1970er und der 80er Jahre ist herauszulesen, dass damals Stunden um Stunden diskutiert wurde, was Seegräben beschäftigte und vor allem, mit welchen Personen die aus heutiger Sicht unheimlich vielen Behörden und Ämter besetzt werden sollten. Mit fast noch grösserer Inbrunst wurde über nationale Themen debattiert, Energiethemen – Solarenergie – insbesondere aber die Drogen- und Sicherheitspolitik. 

Auf und Ab bei den Mitgliederzahlen

In einer so kleinen Gemeinde und einer so kleinen Partei war das Thema Mitgliederwerbung stets präsent. Von einem guten Dutzend in den Anfangszeiten stieg deren Zahl bis in die 1990er Jahren auf rund 30 Personen. Damals wurde auch eine eigene FDP-Frauengruppe Aathal-Seegräben gegründet. Diese hatte ein eigenes Programm. Der Frauenanteil in der Ortspartei war damals schon hoch, sie machten fast die Hälfte aller Mitglieder aus.

Um die Jahrtausendwende wurde der Zenit überschritten und die Mitgliederzahl sank kontinuierlich auf noch rund 20. 2023 wurde die Grundsatzfrage erwogen, wie es mit der Ortspartei weitergehen sollte. Ein Anschluss an eine Nachbar-FDP wurde abgelehnt. Stattdessen hat die Ortspartei seit 2024 eine zweite Mitgliederkategorie, die Lokalmitglieder. Diese sind nur Mitglied bei den Liberalen Seegräben. Gleichzeitig wurde beschlossen, dass sich die Partei auf die Gemeinde und die kommunalen und regionalen Abstimmungen und Wahlen fokussiert.

Zwei Wiederkandidaturen für den Gemeinderat

Passend zum Jubiläum fand auch die Wiedernominierung von Nicole Fuchs und Marco Pezzatti  für den Gemeinderat Seegräben. Pezzatti soll auch wieder das Gemeindepräsidium führen. Im kommenden Frühling werden die Behörden neu gewählt. Aufgrund eines neuen Modus bei der Zusammenstellung der Listen haben die reformierte Kirchenpflege und die Schulpflege eigene Wahlbögen in Umlauf gebracht. Brändli freute sich, unter den Gästen auch Markus Frischknecht, den Präsidenten der Schulpflege, begrüssen zu dürfen.

Gemeindepräsident Marco Pezzatti dankte für die Unterstützung, gratulierte seiner Ortspartei zu ihrem Jubiläum und zeigte auf, wie er zu ihr gefunden hatte. Wesentlich für sein Engagement sei das Wohl der eigenen Gemeinde. Hier knüpfte Brändli an und fragte rhetorisch, was denn diese kleine Partei in all den Jahren erreicht habe. Schliesslich genüge sich eine Partei nicht einfach als Selbstzweck. Auf kantonaler oder gar Bundesebene seien die Seegräbner Liberalen wohl kaum wahrgenommen worden. Wesentlich sei aber, dass sie auf lokaler Ebene in den vergangenen Jahren allen liberal denkenden Leuten «eine kleine Heimat» gegeben hätten. Und er schloss: «Vor allem haben wir unserer Gemeinde Seegräben ein Stück weit geholfen, dass sie so gut funktioniert, wie sie das wirklich tut, indem wir immer wieder Leuten aus unseren Reihen für Behördenämter portiert haben.»  (FDP Liberale)